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Lieferkette

Die verborgene Reise unverkaufter Kleidung: vom Lager zum Outlet

Redaktion · Lesezeit: 5 Min.

Ein großer Teil von allem, was die Modebranche herstellt, wird nie zum vollen Preis verkauft. Diese Kleidungsstücke verschwinden nicht einfach — sie legen einen gut eingespielten Weg vom Markenlager bis zum Ausverkaufskanal zurück. Diesen Weg zu verstehen, erklärt, warum Überbestände so viel günstiger sind als dieselbe Ware im Laden.

Schritt eins: der Puffer, der nie verkauft wird

Marken planen ihre Produktion nach einer Prognose und legen dann einen Sicherheitsaufschlag drauf, damit beliebte Größen nicht mitten in der Saison ausverkauft sind. Dieser Aufschlag, multipliziert mit Tausenden Modellen und Dutzenden Märkten, summiert sich zu einer riesigen Menge Ware, die die Nachfrage überdauert. In der Branche nennt man das Überbestand: brandneue, etikettierte, unbeschädigte Ware, die schlicht in größerer Zahl produziert wurde, als die Kundschaft wollte.

Schritt zwei: die Uhr im Lager

Einmal hergestellt, kostet jedes Kleidungsstück Geld, allein weil es gelagert wird — Lagermiete, Handling, Versicherung und das in unverkaufter Ware gebundene Kapital. Je länger der Bestand liegt, desto schlechter wird die Rechnung. Irgendwann übersteigen die Lagerkosten alles, was der Artikel im Ausverkauf noch einbringen könnte, und die logische Entscheidung lautet: schnell abgeben.

Überbestände sind selten „schlechtere" Kleidung. Es ist dasselbe Produkt, nur ohne Schaufenster, Werbekampagne und die Monate an Regalfläche, die du sonst mitbezahlst.

Schritt drei: die Liquidation

Um Bestände schnell zu räumen, verkaufen Marken und Händler sie in großen Mengen an Restposten- und Off-Price-Käufer — oft palettenweise oder sogar nach Gewicht und meist „wie besehen". Weil diese Käufer Volumen abnehmen und sich den Verkauf zum vollen Preis sparen, bekommen sie einwandfreie Ware für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises. Diese Ersparnis erreicht am Ende die Kundschaft.

Schritt vier: zurück in den Umlauf

Von dort findet der Überbestand seinen Weg in die Outlet-Kanäle und schließlich in die Kleiderschränke der Menschen — das weit bessere Ergebnis als langfristige Lagerung oder Vernichtung. Jedes Kleidungsstück, das getragen statt eingelagert oder zerstört wird, holt zudem einen Teil der Umweltkosten zurück, die bei seiner Herstellung bereits angefallen sind.

Das Fazit

Der Weg vom Lager zum Outlet ist keine Geschichte über geringere Qualität — es ist eine Geschichte über Logistik und Zeit. Überbestände sind günstiger, weil der Handelsaufschlag herausgenommen wurde, nicht weil die Kleidung schlechter wäre. Wer den Weg kennt, versteht, warum derselbe Artikel zwei sehr unterschiedliche Preisschilder tragen kann.

Allgemeine Informationen über die Modebranche und ihre Lieferketten. Die beschriebenen Zahlen und Praktiken sind weithin berichtete Branchennormen und dienen nur der Einordnung.